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Freut euch des Lebens

1.
Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht;
pflücket die Rose, eh’ sie verblüht.

Man schafft so gern sich Sorg und Müh,
sucht Dornen auf und findet sie,
und lässt das Veilchen unbemerkt,
das ihm am Wege blüht.

2.
Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht;
pflücket die Rose, eh’ sie verblüht.

Wenn scheu die Schöpfung sich verhüllt,
und lauter Donner ob uns brüllt,
so lacht am Abend nach dem Sturm,
die Sonne, ach, so schön.

3.
Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht;
pflücket die Rose, eh’ sie verblüht.

Wer Neid und Missgunst sorgsam flieht,
Genügsamkeit im Gärtchen zieht,
dem schiesst sie bald zum Bäumchen auf,
das gold’ne Früchte bringt.

4.
Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht;
pflücket die Rose, eh’ sie verblüht.

Wer Redlichkeit und Treue übt
und gern dem ältern Bruder gibt,
den lohnt dafür Zufriedenheit mit
höherm Glück als Geld.

5.
Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht;
pflücket die Rose, eh’ sie verblüht.

Und wenn der Pfad sich furchtbar engt
und Missgeschick uns plagt und drängt,
so reicht die Freundschaft schwesterlich
dem Redlichen die Hand.

6.
Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht;
pflücket die Rose, eh’ sie verblüht.

Sie trocknet ihm die Tränen ab
und streut ihm Blumen bis ans Grab;
sie wandelt Nacht in Dämmerung
und Dämmerung in Licht.

7.
Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht;
pflücket die Rose, eh’ sie verblüht.

Sie ist des Lebens schönstes Band.
Schlagt, Brüder, traulich Hand in Hand!
So wallt man froh, so wallt man leicht
ins bessre Vaterland!

 

Es war die Zeit Goethes und Schillers, Mozarts, Haydns und Beethovens, als der Schweizer Dichter Johann Martin Usteri (1763 – 1827) 1793 den Text zu Freut euch des Lebens verfasste. Unberührt von der Französischen Revolution und dem Krieg zwischen Preussen und Frankreich konnte der die Idylle preisende Text wohl nur in der Schweiz entstehen.

Vertont wurden die Verse 1975 vom ›Schweizer Sängervater‹ (Theo und Sunhilt Mang, Der Liederquell, 2015, S. 515), dem Musikpädagogen Hans-Georg Nägeli (1773 – 1836). Die eingängige Melodie wird auch noch heute Gedichten zum Geburtstag unterlegt.

Heimatarchiv:
Wir singen….. mit Gfr. Schreiber, 08.1964, Lied 28, Strophen 1-4, Seite 13, Buch 53

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