Hoch auf dem gelben Wagen

 

 

 

 

Hoch auf dem gelben Wagen

1.
Hoch auf dem gelben Wagen sitz ich beim Kutscher vorn,
hurtig die Rosse traben, lustig schmettert das Horn. Wiesen,
Wälder und Auen, leuchtendes Ährengold, möchte ja so gerne
ruhn und schauen, aber der Wagen, der rollt.

2.
Flöten hör ich und Geigen, lustiges Bassgebrumm, junges
Volk im Reigen tanzt um die Linde herum. Röcke fliegen im
Winde, alles jauchzt und tollt, bliebe so gerne bei der
Linde, aber der Wagen, der rollt.

3.
Postillion vor der Schenke füttert die Rosse im Flug,
schäumendes Gerstengetränke reicht ihm die Wirtin im Krug.
Hinter den Fensterscheiben lacht ein Gesicht so hold, möchte
ja so gerne bei ihr bleiben, aber der Wagen, der rollt.

4.
Sitzt einmal ein Gerippe hoch auf dem Schwager vorn,
trägt statt der Peitsche die Hippe, das Stundenglas statt das Horn.
Dann ade nun, ihr Lieben, die ihr nicht mitfahren wollt, wäre
ja so gerne noch geblieben, aber der Wagen, der rollt.

 

Heimatarchiv:
Wir singen….. mit Gfr. Schreiber, 08.1964, Lied 48, Seite 22, Buch 53

 

Heisst ein Haus zum Schweizerdegen

Heisst ein Haus zum Schweizerdegen

1.
Heisst ein Haus zum Schweizerdegen, lustig muss die Herberg
sein; denn die Trommel spricht den Segen, und der Wirt
schenkt Roten ein. Kommen die Gäste, Frau Wirtin, sie lacht,
sie hat schon manchen zur Ruhe gebracht!

2.
Ist kein Volk fast allerwegen, das nicht schon eingekehrt,
und der Wirt zum Schweizerdegen hat den Eintritt nie verwehrt.
Hat dann die blutige Zeche gemacht, dass die Frau Wirtin vor
Freuden gelacht!

3.
Zweiundzwanzig Schilde blitzen von dem Giebel weit zu
Tal; Zeug- und Bannerherren sitzen harrend in dem hohen Saal,
lauschen, bis jauchzend die Mutter sie ruft,und von den Schilden
erklinget die Luft!

4.
All`, die Wehr und Waffen pflegen, stehen auf von Tal zu
Tal; hört, es klingt der Schweizerdegen, hört, es singt der alte
Stahl! Tut ihm genug und erprobt ihn vereint, besser, das
Mütterlein lacht, als es weint!

5.
Wo in Ländern, frei gelegen, und in altgetürmter Stadt
Schweizerherz und Schweizerdegen die gemeine Herrschaft hat:
Da ist die Mutter, so hold und so fein! Lacht sie, so wird’s
Frau Helvetia sein!

 

Gottfried Keller (1819 – 1890)
Tischlied am Jahresfest der Schweizerischen Militärgesellschaft 1857

Heimatarchiv:
Wir singen….. mit Gfr. Schreiber, 08.1964, Lied 8, Seite 4, Buch 53

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