So staunt der Hirtenknabe.

 

So staunt der Hirtenknabe.
Sein Aug‘ schweift weit und breit,
dass er sein Herz erlabe
an all der Herrlichkeit:
Hier an den grünen Auen,
dort an der Berge Kranz,
die rings zu Tale schauen,
und an der Gletscher Glanz.

 

Und ihrer Fünfzig wandern
mit Weib und Kind zumal
geleitet von den Andern
hinauf ins stille Tal.
Es tönt von Herdenglocken
gar hell am Bergeshang;
man hört des Geissbubs Locken,
gemischt mit Jubelsang.

Pfarrer Rudolf Kocher Adelboden

Der Tempel

 

Hast du, Mensch, im Weltgetümmel
Lange nicht an Gott gedacht,

O so geh und schau den Himmel
In der lichten Sternenpracht!

Dort in jenes Tempels Grauen,
Dort in jener Lichter Glanz

Fühlst du betend im Beschauen
Seine heil’ge Nähe ganz.

Und wenn dir vom Himmel nieder
Ew’ges Licht ins Herze fällt,

Wird dein ganzes Wesen wieder
Dem Unendlichen vermählt.

Abraham Aellig, Gerichtspräsident 1838-1888

Der Adelboden hat fünf Täler oder Krachen


Der Adelboden hat fünf Täler oder Krachen,

davon will ich allhier ein schwaches Bildnis machen.

Die ganze Gmeind ist gleich der rechten offnen Hand:
Das Tal im Bonderlen den Daumen macht bekannt,

das Tal durch Tschenten ein stellt vor den kleinen Finger;
Gilbach und Stiegelschwand, wiewohl etwas geringer,

die Mittelfinger zween zu deuten sind geneigt
und dann die Boden-Bäurt den Finger, der da zeigt.

Kirchmeier Peter Josi 1796

Lieblich zwischen Bergen liegen Täler, die vergess ich nie

 

Lieblich zwischen Bergen liegen Täler, die vergess ich nie,
wie fünf Kindlein, die sich schmiegen lächelnd an der Mutter Knie.

Wie sie sich mit frischem Mute tummeln in der Jugend Lust,
Alpenrosen auf dem Hute, Enzianen an der Brust!

Hütten, Alpen, Schaf und Rinder, schütz, o Herr, vor Not und Harm!
Lass die Mutter, lass die Kinder ruhn in deiner Liebe Arm.

Wie geküsst vom Sonnenscheine licht erstrahlt der Alpenfirn,
leuchte Glaube, Himmelsreine, Lieb und Treu auf ihrer Stirn!

Berner Pfarrer Heinrich Hugendubel

Schlachtgebet der Eidgenossen

 

Schlachtgebet der Eidgenossen

(aus dem Dreissigjährigen Krieg)


Lasst üs abermal bätte.

Für üsi Stedt und Fläcke,

Für üsi Küeh und Geisse,

Für üsi Wittwe und Waise,

Für üsi Ross und Rinder,

Für üsi Wyb und Chinder,

Für üsi Hänne und Hahne,

Für üsi Chessel und Pfanne,

Für üsi Gäns und Aente,

Au isunderheit für üsi liebi Schwiz,

Wenn der bluetig Chrieg wett cho,

Wett alles nä, so wette mier üs trüli wehre,

Und ihn nienä dure lah,

Au der Find gar z’tod schlah.

 

Der Schweizer

Der Schweizer

Wer, Schweizer, wer hat Schweizerblut?
Der, der mit Ernst und frohem Muth
Dem Vaterlande Gutes thut,
In seinem Schoosse friedlich ruht;
Nicht fürchtet seiner Feinde Wut;
In dem fliesst reines Schweizerblut.

Wer Falschheit hasst und arge List,
Und Schlangen gleich flieht jeden Zwist;
Und, was ihm Gott giebt, froh geniesst,
Gern sein gesundes Blut vergiesst,
Wenn sein Tod Andrer Leben ist,
Der ist ein Schweizer und ein Christ!

Wer seiner Väter Tugend ehrt,
Sie ausübt und sie andre lehrt,
Das Gute schützt, dem Bösen wehrt,
Des Schmeichlers Stimme niemals hört,
Und Treu hält, wenn er auch nicht schwört,
Der ist des Helden Namens werth!

Wen Vieler Glück und Sicherheit
Mehr als sein eigen Glück erfreut:
Wen keine schöne That gereut,
Wer frühe den Tyrannen dräut,
Dem Laster gleich die Knechtschaft scheut;
Der, der hat Schweizerredlichkeit!

Wer immer, wo er stehn soll, steht
Sich niemals über Andre bläht,
Den graden Weg in allem geht,
Gold, Wollust, Üppigkeit verschmäht,
Selbst erndtet, was er selber sät;
Ist über Könige erhöht!

O Schweiz, du Heldenvaterland!
Sey niemals deiner Väter Schand,
Und halt das vestgeknüpste Band
Der Einigkeit mit treuer Hand!
Dann ist in dieser Welt kein Land
Dir gleich du Heldenvaterland!

 

Schweizer Theologe (reformierter Pfarrer) Johann Caspar Lavater (1741-1801)

https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Caspar_Lavater

Wilhelm Tell Vaterunser

 

Wilhelm Tell, der du bist der Stifter unserer Freiheit; dein Name werde geheiligt in der Schweiz; dein Wille geschehe auch jetzt bey uns, wie zur Zeit, da du über deine Tyrannen gesiegt hast; gib uns heute deinen Muth und deine Tapferkreit, und verzeihe uns unsere vergangene Erschrockenheit, dass wir so muthlos zugesehen haben, wie man uns unserer Freyheiten nach und nach beraubte, wie auch wir vergeben allen unsern Vögten und Vorstehern, welche alleine die Schuld unserer verlorenen Freyheit gewesen sind, und lasse uns in Zukunft nicht mehr unterdrückt werden, sondern erlöse uns auf immer von allen Arten Sclaverey.

Alsdann wird dein bleiben der Ruhm und die Ehre, und uns Schweizern allen die Freyheit und Gleichheit. Amen.

Aus dem Buch  Wilhelm Tell – Blätter aus seiner Ruhmgeschichte 1936, Archiv Patriot.ch

Von Joseph Mengaud 1793

Mengaud war als franz. Agent während der Revolution in Holland tätig. Im Okt. 1797 erwirkte er die Ausreise des engl. Gesandten William Wickham aus der Schweiz. Vom 25.12.1797 bis am 12.6.1798 war er Geschäftsträger der franz. Republik in der Schweiz und bereitete auf diplomat. Ebene die Revolution vor. An der letzten Tagsatzung der Eidgenossenschaft in Aarau im Jan. 1798 unterstützte er die Patrioten gegen Bern. M.s eigenmächtiger Plan einer gewaltfreien Revolution liess sich nicht realisieren. Nach dem Sieg der franz. Heere über Bern ging die Leitung seiner wichtigsten Geschäfte an François-Philibert Le Carlier und Jean-Jacques Rapinat über. Als diese mit Konfiskationen in der Schweiz begannen, wandte sich M. von ihnen ab. Vom Direktorium fallen gelassen, verliess M. 1798 die Schweiz. Danach hielt er sich in Paris auf. 1801-04 war er als Polizeikommissar in Calais tätig.

 

Was wollen wir der alten Griechen Gedichte, oder der Römer lesen manche Geschichte?

 

Was wollen wir der alten Griechen Gedichte,
oder der Römer lesen manche Geschichte?

Wir haben hier die Taten der Eidgenossen,
von denen wir uns rühmen sein entsprossen:

Dies sind lauter grosse Heldensachen,
die uns billig zur Nachfolge lustig machen [= anleiten]:

In Treue, Liebe und Glauben nüchtern und ehrbar leben!

Johann Jakob Grasser
Schweizerisches Heldenbuch (Schweitzerisch Heldenbuoch),
Basel „1624“. ND Bern 1968.

Komm her du treue Hellebard!

 

Wir sind von guter Schweizerart,
wohlauf zur Welschlandfahrt,
das Horn von Uri gellt!
Komm her du treue Hellebard!
Und bin ich nur ein Hirtenknab,
du bist mein starker Wanderstab,
du bringst mich durch die Welt.
Haarus!

Meinrad Lienert

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